O-Ton Kulturmagazin 25.06.2026 Renate Freyeisen
Wer sich vom weichen, warmen Streicherglanz verzaubern lassen möchte, der liegt trotz Hitze beim Abend des Mozartfests im leider nicht ausverkauften Kaisersaal richtig: Das prachtvolle Ambiente und der Klang der Festival Strings Luceme unter und mit ihrem Ersten Geiger Daniel Dodds wetteifern miteinander. Er beginnt mit dem spätromantischen Adagio für Streichorchester von Wilhelm Kienzl, in einem Arrangement von 1919, mit einschmeichelnden Celli und Bratschen und dahinschrnelzenden Legati der Geigen, ein schwärmerisches Stück zum Genießen, und das verkleinerte Orchester kann sich hier aufs Angenehmste mit absolutem Schönklang präsentieren, die beste, etwas nostalgisch gefärbte Vorbereitung auf Mozarts Sinfonia concertante für Violine, Viola und Orchester Es-Dur KV 364 von 1779.
Kraftvoll darf hier das Orchester einleiten und die beiden Solistinnen beeindrucken gleich mit ihrem interessant abgewogenen Zusammenspiel: Die Violine von Leia Zhu,19-jähriger, schon vielfach prämiierter Jungstar, setzt zurückhaltend, fein singend ein, während die Viola von Sylvia Zucker, der Ersten Bratscherin des Orchesters, mit vollem, fast leidenschaftlich geprägtem Ton hinzukommt. Immer mehr entwickeln sich schöne Melodielinien als Geflecht der beiden Instrumente, unterlegt von den Hörnern; schmerzlich klingt da die Bratsche, die Violine entfaltet feinste Delikatesse in einem einfühlsamen Dialog der beiden Soloinstrumente und Temperamente, alles in herrlicher Einheit. Im Andante mit einer wunderbar empfindsamen Kantilene der Violine, der Viola voller tiefer Fülle, scheinen die beiden lnstrumente miteinander zu atmen, sich gegenseitig immer neu anzuregen, zu antworten; die Kadenz verstrahlt wehmütigen Charme, und im schnell bewegten Presto mit feiner innerer Agogik, einer vollendeten Einheit von Orchester und Solostimmen, vor Leben nur so sprühend, wird alles lichter, schwingt sich zu kleinen Höhepunkten auf bis zu einem straffen Ende. Die Suite italienne von lgor Strawinsky, in einer Fassung für Violine und Streichorchester von 1933, greift Motive früherer barocker Komponisten auf und orientiert sich an Handlungen und Personenprofilen der Commedia dell'arte, ursprünglich gedacht als Ballettmusik für ein Projekt von Sergej Diagilev. Hier kann sich die junge, sehr natürliche, britisch-chinesische Geigerin voll in ihrem lebendigen Temperament entfalten, gleich im freundlichen Dialog mit dem Cello in der lntroduzione, bei einem verführerisch melodischen Ständchen in der Serenata; flirrend mitreißend, dahinjagend, auch fein innehaltend gelingen die folgenden Sätze, von innerem Rhythmus durchpulst scheint die tänzerische, dahinfließende Tarantella, und ein gravitätisch betontes Menuetto steuert auf einen äußerst lebendigen, sich fast hexerisch schnell steigernden, innerlich angetriebenen Schluss zu; da fliegen die langen Haare der Ge:igerin, sie stampft unwillkürlich auf, und trotzdem bleiben ihre Tongebung immer fein abgestuft und die technische Bravour scheinbar mühelos beherrscht. Da kennt der Jubel des Publikums kein Halten, und die Zugabe imponiert mit grandioser Virtuosität und setzt dem Ganzen noch einen Extra-Stempel drauf. Mozarts wunderbare A-Dur-Sinfonie Nr. 29 KV 201 von 1774 bildet dann den krönenden Abschluss eines alle Erwartungen übertreffenden Abends. Die Festival Strings Luceme nehmen das einleitende Allegro süffig, in wiegendem Fluss, dem Andante geben sie viel genüsslich schwebenden Charme mit feinen Zwischenfiguren, herrlichen Bläser Einwürfen, lassen so die Architektur des musikalischen Aufbaus spüren. Fein hingetupft beginnt das Menuett, weitet sich zu einem empfindsamen Trio, und das Final-Allegro, mit fast übermütigen Vorschlägen, schäumt in immer neuen Anläufen schwungvoll dahin bis zum energischen Schluss. Riesenbeifall.